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Der
unaufhörliche und rasant fortschreitende Drang in die
Tiefe brachte die Malakofftürme bald an die Grenze Ihrer Leistungsfähigkeit.
Immer größere und stabilere mussten gebaut werden. Zum Vergleich: während der
Malakoffturm der Zeche "Carl" von 1859 noch eine Höhe von ungefähr 25 Metern hatte,
war der knapp 20 Jahre später erbaute Turm auf der Zeche "Fürst Hardenberg"
schon 33,5 Meter hoch. So war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, als ab ca.
1870 die stählernen Fördergerüste ihren Siegeszug aufnahmen und den Malakoffturm
mehr und mehr verdrängten. Als letzter dieser steinernen Vertreter einer
stürmischen Epoche wurde im Jahre 1896 der Malakoffturm der Zeche "Alte Haase"
in Betrieb genommen. Bis dahin und auch noch im Nachhinein wurden den Türmen
oftmals zusätzliche Gerüste aufgesetzt, um den Anforderungen einer Förderung aus
rasch zunehmender Teufe gerecht zu werden. Einige Malakofftürme wurden gleich
ganz durch stählerne Fördergerüste ersetzt und wurden folglich abgebrochen.
Hauptsächlich in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als viele
Schachtanlagen auf Grund der herrschenden Weltwirtschaftskrise modernisiert und
somit leistungsfähiger gemacht wurden, verschwanden etliche dieser schönen
Gebilde, von denen heute glücklicherweise einige unter Denkmalschutz stehen und
somit ein Stück Ruhrgebietsgeschichte vermitteln können.
Das erste eiserne Fördergerüst,
ein so genanntes Pyramidengerüst wurde im Jahre 1869 auf der Zeche "Julia" in
Herne-Baukau errichtet. Darauf hin folgten dann die ersten englischen
Fördergerüste, die weithin als Thomson-Böcke bekannt wurden. Es waren imposante
Erscheinungen, diese stählernen Riesen, die von der britischen Insel ins
Ruhrrevier entführt wurden. In den ersten Jahren verbreiteten sie sich
hauptsächlich im östlichen und südöstlichen Ruhrgebiet. So standen Vertreter
dieser Gerüstart auf den Zechen "Vollmond", "Heinrich Gustav", "Gneisenau" und
"Neu-Iserlohn". Ein besonders imposantes Gebilde ergab sich, wenn zwei Gerüste
sich gegenüber gestellt und oftmals mit einer Schachthalle verbunden wurden, so
dass es so aussah, als würden sie sich bei der Arbeit anschauen und friedlich
miteinander plaudern. Solche
eindrucksvollen Ensembles waren auf den Zechen "Courl", "Preussen" oder auch
"Scharnhorst" zu bewundern. Die wohl westlichste Verbreitung fand diese
Gerüstart in Essen und Gelsenkirchen. So standen zwei Thomson-Böcke in
friedlicher Eintracht nebeneinander auf der Schachtanlage "Hugo 1/4" in Gelsenkirchen-Buer. Außerdem fand sich eines dieser Gerüste auch auf der Zeche
"Carl Funke" in Essen-Heisingen. In Oberhausen, Mülheim, Duisburg und westlich
des Rheins suchte man sie allerdings vergeblich.
Hier, wie auch sonst überall im
Ruhrrevier setzte sich ab dem Jahre 1870 das so genannte deutsche Strebengerüst
durch, was, wie Gertrude und Wilhelm Hermann in ihrem Buch beschreiben, eine
konsequente Weiterentwicklung des englischen Fördergerüstes darstellte und
diesem durch seine statischen Fähigkeiten wohl überlegen war. Vielleicht war es
auch kostengünstiger, was sich allerdings hier und an dieser Stelle nicht klären
lässt. Jedenfalls verbreitete es sich relativ rasch über das gesamte Ruhrgebiet.
Das Aussehen war gegenüber dem Thomson-Bock relativ schlicht. Dem eigentlichen
Gerüst wurde immer wieder ein manchmal im Aussehen variierender Gerüstkopf
aufgesetzt, der mit einem gebogenem Blechdach versehen war, um die darunter
liegenden Seilscheiben zu schützen. Diese waren in den ersten Jahren zunächst
nebeneinander angeordnet, bis in den Jahren 1877/78 im Malakoffturm des
Schachtes 2 der Bochumer Zeche "Hannover" eine so genannte "Koepe"-Förderung mit
untereinander liegenden Seilscheiben installiert und in Betrieb genommen werden
konnte. Nachfolgend gelang es, dieses System auch bei den Fördergerüsten zu
übernehmen, so dass eine Anzahl "zweistöckiger" Gerüste entstand. Im Jahre 1896
wurde als eines der ersten seiner Bauart ein Doppelstrebengerüst über Schacht
"Zollverein 6" errichtet, was eine Abwandlung vom deutschen Strebengerüst
darstellte. Bildlich sahen diese Ungetüme so aus, als wären zwei deutsche
Strebengerüste an der schmalen Vorderseite miteinander verbunden worden. Auch
hier gab es, wie beim "kleinen Bruder" auch, eine zweistöckige Ausführung, wie
sie heute noch auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage "Consolidation
3/4/9" in Gelsenkirchen-Bismarck am Beispiel von Schacht 9 bestaunt werden
kann.
Wie bereits angesprochen, wurden
die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts durch die damals herrschende
Weltwirtschaftskrise überschattet. Hinzu kam die Machtübernahme der
Nationalsozialisten in Deutschland, die für eine stetig steigende Produktion in der
Rüstungsindustrie eben auch mehr Stahl und somit auch mehr Kohle benötigten.
Beide Faktoren trugen mehr oder weniger ihren Anteil dazu bei, dass viele
Schachtanlagen ihr Gesicht veränderten, in dem sie umgebaut und damit
leistungsfähiger und so ökonomisch effizienter wurden. Während dieser Zeit ging
man dazu über, das klassische deutsche Strebengerüst derart zu verändern, in dem
man die Schrägstützen und andere relevante Teile nicht mehr in der herkömmlichen
Strebenbauart herstellte, sondern durch die so genannte Vollwandbauweise
ersetzte. Massige Stahlträger traten somit an die Stelle der filigranen
Strebenteile, was das Aussehen der Gerüste wuchtiger, aber auch unkomplizierter
erscheinen ließ. Auch das alte Doppelstrebengerüst wurde von dieser Entwicklung
förmlich überfahren. Als Konsequenz aus diesem Trend entstand somit das
imposante Doppelbockfördergerüst, dessen wohl bekanntester Vertreter über
Schacht "Zollverein 12" steht. Weitere standen beispielsweise auf den Zechen
"Pluto", "Pattberg", "Graf Bismarck" und "Germania". Letzteres wurde nach
Stillegung der Zeche im Jahre 1971 demontiert und am Deutschen Bergbaumuseum
wieder aufgebaut. Da man es begehen kann, hat man in luftiger Höhe und bei gutem
Wetter einen wunderschönen Blick fast über das ganze Revier.
Im Jahre 1926 begann die Zeit
der "echten" Fördertürme. In diesem Jahr ging auf der Dortmunder Zeche "Minister
Stein" ein so genannter Hammerkopfturm in Betrieb. Einer der relevantesten
Unterschiede gegenüber herkömmlichen Fördergerüsten bestand darin, dass die
Fördermaschine, die ja das Seil und damit den Förderkorb antrieb, im Turm selber
und nicht wie bisher in einem extra hergerichteten Fördermaschinengebäude, das
meist hinter dem Gerüst stand, aufgestellt war. Ein weiterer Turm dieser Bauart
ging gegen Ende der 20er Jahre auf der gleichen Schachtanlage in Betrieb. Jedoch
konnte sich diese Bauart wohl aus statischen Gründen nicht behaupten. Diese
bullig wirkenden Türme gelten jedoch hinlänglich als die Väter der
Turmgeneration, die danach folgte. Besonders nach dem 2.Weltkrieg, speziell in
den 50er und 60er Jahren entstanden eine Reihe von Betonfördertürmen von
unterschiedlichster Form und Bauart.
Über Geschmäcker kann
man bekanntlich stundenlang und mit wachsender Begeisterung streiten. Somit kann es
eigentlich egal sein, ob man diese Türme und Gerüste als interessant einstuft
oder auch nicht. Man kann auch die eine Art der anderen aus den verschiedensten
Gründen vorziehen und so dieser etwas mehr abringen. Letztendlich jedoch sind
sie alle, die Malakofftürme, die Fördergerüste und die Fördertürme, die letzten
Relikte einer einst imposanten Epoche. Es sollte uns allen etwas daran
liegen, diese stummen Zeitzeugen, die ihre Existenz bis in unsere Zeit hinein
nicht zuletzt durch den Einsatz ehrenamtlich tätiger und an ihrer eigenen
Geschichte interessierter Menschen bewahren konnten, zu hegen, zu pflegen und
für nachfolgende Generationen zu erhalten. Denn eines sicher: ein Fördergerüst
ist schnell abgebrochen, ein Förderturm noch schneller gesprengt, die
Erinnerungen und die Geschichte jedoch bleiben. Es wäre jammerschade, wenn
nichts mehr da wäre, was man bildlich damit in Verbindung bringen könnte.
In diesem Sinne Glück auf!
Heinrich Ströver |