Meine persönliche Seite

 

 

Mein Name ist Heinrich Ströver, ich bin Jahrgang 1960 und mit Leib und Seele dem Bergbau an Ruhr und Lippe verbunden. Das erste Mal, als ich mit diesem so traditionsbeladenem Industriezweig in Berührung kam war 1977, als ich als Berglehrling auf der Zeche Westerholt anlegte.
  Nach bestandener Hauerprüfung und einem Weilchen harter Arbeit in der Aus- und Vorrichtung kehrte ich in meine angestammte Heimat an der Nordsee zurück. Der Ruhrbergbau war jetzt weit weg, geriet aber nie in totale Vergessenheit. Dafür waren die Erinnerungen an die Zeit auf dem Pütt zu intensiv. Nachdem ich umgeschult hatte, zog ich 1988 nach Baden - Württemberg, wo ich bis zum 1.Dezember 2003 gelebt und gearbeitet habe. Im November 1996 fing es dann im Revier an zu brodeln, als die damalige Bundesregierung plante, die Fördergelder für den heimischen Steinkohlebergbau drastisch zu kürzen. Die Beschäftigten auf den einzelnen Schachtanlagen formierten sich zum Widerstand. Mahnwachen wurden errichtet, so auch in Dorsten durch die Kumpel der Schachtanlage Fürst Leopold / Wulfen. Bei einem spontanen Solidaritätsbesuch kurz vor Weihnachten 1997 lernte ich dann viele nette Menschen kennen, von denen ich stellvertretend für alle die damaligen Betriebsratsmitglieder Brieskorn und Ringel nennen möchte. Ich war wieder mittendrin und immer an meiner Seite war meine Frau, der ich an dieser Stelle dafür meinen besonderen Dank aussprechen möchte.

 

  Der Höhepunkt der Protestaktionen war dann die gewaltige Kette aus Menschenleibern, die sich im Februar 1997 quer durch das Revier zog. Natürlich waren meine Frau und ich auch bei diesem Event dabei, Seite an Seite in Essen - Kray zusammen mit den Kumpels der Schachtanlage Fürst Leopold / Wulfen.

(mit freundlicher Genehmigung der WAZ-Redaktion Dorsten)

 

 

Seit diesen ja fast dramatischen Wochen verfolge ich wieder mit großem Interesse die Geschicke des Ruhrbergbaues, den es so, wie ich ihn noch kennen lernen durfte, wohl bald nicht mehr geben wird. Getrieben von einer tiefen Verbundenheit zum Bergbau, zum Ruhrgebiet, zu dessen Geschichte und nicht zuletzt zu dessen Menschen, die erhobenen Hauptes auf ihre Vergangenheit und das Geleistete zurückschauen dürfen, betreibe ich seit dem Jahr 2000 diese Homepage. In einer Zeit, in der sich das Bild des Ruhrrevieres wandelt und ein Fördergerüst nach dem anderen vom Horizont verschwindet, gelingt es mir vielleicht so, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, die Erinnerung an den einstigen Pulsschlag des Ruhrgebietes aufrecht zu erhalten. Im Vergleich zu den Bemühungen vieler Einrichtungen, die aktiv im Bereich der Denkmalpflege tätig sind und vor dessen Arbeit ich allergrößte Hochachtung habe, sind diese Webseiten ein zugegebenermaßen bescheidener Beitrag. Ich befinde mich jedoch in der Gesellschaft vieler, vieler erstklassiger Buchautoren, ohne dessen akribischer Vorarbeit diese Homepage nicht existent wäre. Diese Autoren in erster Linie und nicht zuletzt die erfreulicherweise zunehmende Anzahl der Beiträge im Internet, die sich mit dem Ruhrbergbau beschäftigen, ergeben zusammen ein stabiles Netzwerk, mit dem es gelingen sollte, die Erinnerung an die Bergwerke, dessen Betreiber und die dort arbeitenden Menschen aufrecht zu erhalten, ohne die zukünftigen Herausforderungen, die der fortschreitende Strukturwandel im Ruhrrevier mit sich bringt, aus den Augen zu verlieren. Jedoch sollte es auch der rasanteste Fortschritt erlauben, einmal für kurze Zeit inne zu halten, um Pause zu machen und um sich an Vergangenes zu erinnern. Stillstand ist in diesem Fall kein Rückschritt, sondern die Gelegenheit, nicht ganz ohne Stolz zurückzublicken und dann wieder anzupacken. Und angepackt wurde im Ruhrgebiet seit Beginn der Industrialisierung schon immer....

In diesem Sinne Glück auf!

Ihr

Heinrich Ströver

Frickenhausen, am 9.Juni 2002