Ein Rückblick in Kohlereviere außerhalb des Ruhrgebietes:

Die "Anthracite region" in Pennsylvania / USA

Quellen: - Poloniak, Louis: When coal was king, Lebanon, Pennsylvania, 1970

 

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[Die Gruben]

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Historisches

Im Osten des amerikanischen Bundesstaates Pennsylvania, das einst Kolonie der britischen Krone und nach Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung vom 4.Juli 1776 Gründungsmitglied der Vereinigten Staaten von Amerika war, erstreckt sich eine Anthrazitkohlenlagerstätte, das in vier einzelne Bezirke eingeteilt ist. Im Norden liegt das "Northern coal field" und umfasst grob gesagt das nähere Gebiet um die einstige Bergbaustadt Scranton. Südlich davon schließt das "Eastern-Middle coal field" an mit der Stadt Hazleton. Weiter im Südwesten liegt dann das "Western-Middle coal field" und südlich davon dann das "Southern coal field" mit der Stadt Pottsville. Während dort heute nur noch sporadisch in kleinen Betrieben Anthrazitkohle gewonnen wird (einen authentischen und sehr interessanten Erlebnisbericht können Sie hier lesen), gab es parallel zur Blütezeit des Ruhrbergbaus eine recht rege Abbautätigkeit zu Anfang des 20.Jahrhunderts.

Die ersten Vorkommen in der Gegend von Wilkes-Barre wurden noch vor der Unabhängigkeit von England im Jahre 1769 entdeckt. Bereits acht Jahre später wurden die ersten Kohlen über den Susquehanna River nach der südlich der "Athracite region" liegenden Stadt Harrisburg transportiert. Dieser Fluss, der Pennsylvania in Nord-Süd-Richtung durchquert, wurde in den nachfolgenden Jahrzehnten zum wichtigsten Transportweg für den Versand der Kohlen. Im Jahre 1781 wurden weitere Vorkommen bei Mauch Chunk entdeckt. Im Folgejahr gründete sich als erste Kohlenminengesellschaft Amerikas überhaupt die "Lehigh Coal Mining Company", dessen Mitbegründer Jacob Weiss das ganze Land im Gebiet des Kohlefundes bei Mauch Chunk aufgekauft hatte. In der Schuylkill region waren Anthrazitvorkommen bereits um 1770 bekannt, erste größere Funde sind jedoch für das Jahr 1790 datiert. Etwa zur gleichen Zeit wurden auch Vorkommen im "Western-Middle coal field" bei der Stadt Shamokin entdeckt, während im "Eastern-Middle coalfield" nahe Hazleton erst 1826 die ersten Anthrazitvorkommen aufgefunden wurden.

In den folgenden Jahrzehnten fristete der Abbau ein eher unscheinbares Dasein. Erst nach dem amerikanischen Bürgerkrieg in den 60er Jahren des 19.Jahrhunderts erfuhr der Bergbau in der "Anthracite region" einen stetigen Zuwachs. Etliche Gruben wurden eröffnet und die Förderzahlen stiegen stetig an. Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise begann Ende der 20er Jahre des 20.Jahrhunderts der Niedergang des Bergbaus im Osten Pennsylvanias. Viele Gruben mussten Anfang der 30er Jahre ihren Betrieb einstellen. Weitere Stillegungen folgten nach dem Hochwasser des Susquehanna River im Jahre 1958, als der Fluss einen Großteil der Grubengebäude flutete und diese dann aufgegeben wurden.   

Die Gruben

Als Außenstehender darf man sich die Gruben nicht wie die Zechen im Ruhrrevier vorstellen. Viele der Zechen waren kleine Betriebe, die die Kohlevorkommen mittels Stollen aufgeschlossen hatten. Nur die größeren Betriebe verfügten über einen Tiefbauschacht, über den die Förderung der Kohlen vollzogen wurde. Während das Bild einer Ruhrzeche von den Fördergerüsten dominiert gewesen ist, war der bildliche Mittelpunkt eine Grube in der "Anthracite region" zweifelsohne die oftmals riesige Brecheranlage, dem so genannten "Breaker". In den ersten Jahren nach dem Bürgerkrieg verfügten die Gruben meist über ihre eigenen "Breaker", jedoch wurden nach und nach immer mehr Gruben miteinander konsolidiert, wobei dann  nur noch eine zentrale Brecheranlage in Betrieb blieb. Die nicht mehr notwendigen Brecher wurden dem Erdboden gleich gemacht.

Da die Kohlevorkommen zu Tage ausstrichen, war in den Gruben auf Grund des geringen Gebirgsdruckes in geringer Teufe nur ein recht bescheidener Ausbau nötig. Dieser wurde, wie zu der Zeit auch im Ruhrgebiet üblich, mit Holzstempeln und Holzkappen bewerkstelligt. Die angetroffenen Flöze übertrafen in der Mächtigkeit die Vorkommen an der Ruhr und die Qualität der Kohle war hervorragend für den Hausbrand und für den Betrieb eines Schmiedefeuers bestens geeignet.

Die Arbeitskräfte bestanden in erster Linie aus den vielen Einwanderern, die im Amerika Ende des 19.Jahrhunderts und zu Anfang des 20.Jahrhunderts auf eine neue und bessere Existenz hofften. Als erstes kamen Ingenieure und erfahrene Bergleute aus England, Wales, Schottland und auch aus Deutschland in die Region am Susquehanna River. Danach folgten die Iren, nachdem in dessen Heimat auf Grund von hohen Ertragsausfällen bei der Kartoffelernte (die Kartoffel war zu der Zeit das Hauptnahrungsmittel in Irland) durch Käferbefall eine Hungersnot ausgebrochen war. Schließlich ließen sich dann Italiener und viele Osteuropäer, hauptsächlich aus Polen und den baltischen Staaten, in der "Anthracite region" nieder, um in den Gruben hart für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten. Oft musste die ganze Familie mitarbeiten und so war Kinderarbeit an den Lesebändern innerhalb den Brecheranlagen an der Tagesordnung.

Bildergalerie

Wenn Sie nachfolgenden Link anklicken, gelangen Sie zu einer Bildergalerie, die Ihnen einen Eindruck über die verschiedenen Gruben, die "Collieries" hießen, vermitteln werden. Die Ansichten sind natürlich wiederum Postkartenansichten, die aus den Jahren von 1900 bis circa 1925 stammen. Treten Sie an zu einer Reise in die Vergangenheit und lassen Sie sich von der Wuchtigkeit der "Breaker" faszinieren... 

Bitte klicken Sie hier: Breaker Gallery   

Glück auf!

Heinrich Ströver